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Gastronomische Eigenheiten: Spanien

Der Spanier ist davon überzeugt, dass das spanische Essen sehr gesund ist. Darüber hinaus ist es aus seiner Sicht sehr lecker – bis der Magen des deutschen Gastes rebelliert.
Leute mit einem empfindlichen Magen sollten die Speisekarte mit Vorsicht studieren. Denn die Hauptbestandteile der mediterranen Kost, Fisch, Fleisch, Gemüse, Hülsenfrüchte, Wein und Olivenöl, sind sehr wohlschmeckend, aber in den hier üblicherweise verwendeten Mengen oft ungewohnt.
Im Folgenden seien ein paar gastronomische Besonderheiten erwähnt.

Essenszeiten
Zum Mittagessen können Sie zwischen 13.30 Uhr und 16 Uhr erscheinen. Danach kann es schon zu spät sein. Abends geht es ab ca. 20.30 Uhr los (im Winter Nordspaniens schon ab 20 Uhr) – Zur Nacht hin mit Open End. Das ist je nach Wochentag und Region unterschiedlich.

Weine und Rotwein mit Zitronenbrause
Der gute Wein kommt nicht nur aus Rioja, dem sicherlich bekanntesten Anbaugebiet des Landes. Der Penedés zwischen Barcelona und Tarragona ist sowohl für Sekt (cava) als auch für Wein (vino) bekannt. Darüber hinaus gibt es Weinanbau in Valdepeñas (Ciudad Real), Albacete, Aranda de Duero (Burgos), der Hauptstadt der Ribera de Duero, Valladolid, Galicien (vinos ribeiros), Andalusien, Aragón usw.
Dank des günstigen Klimas hat es der spanische Winzer nicht immer nötig, Hügel für den Weinanbau zu haben. Stadt eines Weinbergs reicht hier oft ein "Weinfeld".
Eine Offenbarung, dieser Stilbruch. Insbesondere dann, wenn es heiß ist, trinken die Spanier gern Rotwein mit Zitronenbrause (gaseosa). Dieses Getränk namens "Tinto de Verano" ist wirklich sehr erfrischend und nicht so süß.
Rotwein wird im Übrigen oft kalt gereicht, je nach Jahreszeit. Er hat dann, ebenso wie der schon erwähnte Sommerdrink, eine durchaus erquickende Wirkung.
Häufig wird Wein auch in "Senfgläsern" serviert. Das sind sie zwar nicht im wahrsten Sinne des Wortes, haben jedoch keinerlei Ähnlichkeit mit eleganten Weinkelchen.

Bier ist nicht gleich Bier
Abgesehen davon, dass es wenige Sorten gibt, reicht man Ihnen zum Bier meist eine Kleinigkeit gratis (z. B. Oliven, eine Sardelle in Öl, etwas Weißbrot mit Salami o.ä.). Dies ist von Region zu Region unterschiedlich. Hauptsächlich werden lokal Estrella®, Mahou®, Cruzcampo®, San Miguel® und Estrella de Galicia® produziert. Im Vergleich zu unseren deutschen Bieren schneiden alle spanischen Sorten geschmacklich relativ schlecht ab.
Wenn Sie in einer Kneipe oder einem Restaurant ein gezapftes Bier wollen, bestellen Sie am besten gleich "Una caña." Wenn Sie es aus der Flasche vorziehen, sagen Sie "Un botellín."
Dann bekommen Sie aber nur 0,2 l oder 0,25 l. Wollen Sie 0,33 l (also auch aus der Flasche), ist Ihnen mit "Un tercio." gedient. Auf diese Weise lassen Sie dem Kellner nicht offen, ob er aus "Una cerveza, por favor." ein gezapftes oder ein Flaschenbier macht. Viele fragen nach: "¿De grifo?" (vom Fass).
Das gezapfte Bierchen steht etwa nach 30 Sekunden vor Ihnen, wenn der Wirt Ihrer Bestellung unverzüglich nachkommen kann.
Unser Krefelder oder Diesel (Bier mit Cola) ist hier unbekannt. Alsterwasser (clara) hingegen gibt es schon.

Guten Appetit
Wenn Sie im Restaurant beim Essen sind und Leute an Ihrem Tisch vorbeigehen müssen, wird man Ihnen oft sagen: "¡Que aproveche!" (Guten Appetit). "¡Buen provecho!" wird selten gesagt. Sie können dann mit vollem Mund so etwas wie "¡Gracias!" nuscheln.

"Iss schneller, das Hauptgericht kommt!"
In den einfachen Restaurants, in denen es mittags ein Tagesmenü (menú del dia) gibt, geht es oft ruppig zu. Erwarten Sie nicht, dass Sie dort hofiert werden. Im Gegenzug erwartet der Kellner nicht von Ihnen, dass Sie sich für das, was er Ihnen hinstellt, großartig bedanken.
Besonders für die Vorspeise brauchen Sie oft eine flinke Zunge und schnelle Zähne. Es kann nämlich vorkommen, dass man Ihnen bereits das Hauptgericht hinstellt, bevor Sie mit der Vorspeise fertig sind. Das sollten Sie verständnisvoll so hinnehmen, denn die Küchen sind oft sehr klein.
Deswegen zu reklamieren, würde auf Unverständnis stoßen. Für Hauptgericht und Nachtisch haben Sie auf jeden Fall mehr Zeit, denn der Nachtisch-Wunsch wird erst nach genossenem Hauptgericht erfragt. Unser "Hat es Ihnen geschmeckt?" wird man hier nicht zu hören bekommen. Alternativ zum Nachtisch kann auch ein Kaffee bestellt werden. Er ist jedoch nicht immer im Menü-Preis enthalten.

Trinkgeld
Im Bezug auf Trinkgeld (propina) sind die Spanier recht zurückhaltend. Im Höchstfall sollten Sie 5% drauflegen, keinesfalls 10%. Der Kellner gibt Ihnen zunächst das Wechselgeld zurück. Man lässt dann das Trinkgeld auf dem Kassiertellerchen liegen.

Schattenseiten der spanischen Gastronomie
Es gehört einfach zum Land dazu: In den Bars werden Papierservietten, Olivenkerne, Hähnchenknorpel, Zahnstocher, leere Zuckertütchen usw. einfach mit Hilfe der Erdanziehungskraft zu Boden gelassen. Natürlich folgt nicht jeder Spanier dieser Angewohnheit. Irgendwann fegt der Kellner kurz durch.
Spanier sagen: "Je mehr Servietten auf dem Boden liegen, desto besser ist das Essen."
Gelber Stausee: So manches WC der Bars und Restaurants sollte man mit festem Schuhwerk betreten. Stellen sie sicher, dass Ihre Schuhe wirklich "urindicht" sind. Es kann nämlich sein, dass sich am Boden eine Lache befindet, bei der es sich nicht immer nur um Wasser handelt.
Diese und weitere Anekdoten finden Sie in Thomas Hansens Buch: "Spanien… Von innen betrachtet!"

Katja Nagelschmidt

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