Tarragona

Die Hafenstadt Tarragona liegt mit rund 125.000 Einwohnern im Nordosten Spaniens und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Katalonien an der Mündung des Flusses Francolí.
Sie liegt etwa 100 km südwestlich von Barcelona auf einem ansteigenden Hügel. Wirtschaftlich ist diese Region bekannt für Weinanbau, den Schiffsbau, die Textilindustrie, Fischerei, Papierherstellung, Pharmazeutische Produktionsstätten und dem Tourismus.
Die Mönche der Grande Chartreuse, eines Kartäuserklosters, errichteten in Tarragona 1903 eine Destillerie, nachdem sie aus Frankreich vertrieben worden waren.
Das Archäologische Museum der Stadt besitzt eine Sammlung von römischen Statuen. Auch Überreste eines römischen Amphitheaters, älterer Stadtmauern aus iberischer und römischer Zeit sowie einen zweigeschossigen römischen Aquädukt findet man in der Stadt. Die romanische Kathedrale, mit deren Bau im 12. Jahrhundert begonnen wurde, besitzt eine gotische Fassade.

Geschichte von Tarragona

Tarragona wird bereits in der Antike (3. Jahrtausend v. Chr.) erwähnt. Als „Tarraco“ wurde es zu einem wichtigen Handelsort für Griechen, Phönizier und Karthager.
Nach der Eroberung durch die Römer im zweiten Punischen Krieg (218 v. Chr.) wurde die Stadt von den Mauren besetzt (8. Jh. n. Chr.). Als „Tarakuna“ durchlebte die Stadt nun einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung.
Während des 17. und 18. Jahrhunderts finden durchlebt die Stadt viele Aufstände und Kriege. 1811 wurde die Stadt im Krieg mit Frankreich zerstört.
Die Phase der Restauration gestaltet sich schwierig und langwierig. Mit dem Weinanbau und dem überseeischen Handel gewinnt Tarragona nach und nach neue wirtschaftliche Macht.
Vor allem das 20. Jahrhundert ist von einem wirtschaftlichen Boom gekennzeichnet. In den 60ern wird ein demografischer und industrieller Aufschwung verzeichnet, der bis heute anhält. Vor allem der Tourismusbereich floriert aufgrund der wunderschönen Küstenlandschaft.

Sehenswürdigkeiten in Tarragona

Kaum eine Stadt besitzt so viele architektonische Artefakte aus der Römerzeit wie Tarragona: Amphitheater, Circus, Forum Romanum, der Scipionenturm, der Arco de triunfo de Berá, das Mausoleum von Centcelles, der Aqueducte de les Farreres, der Aquädukt (Pont del Diable) nördlich der Stadt. All diese Zeugnisse der Vergangenheit führten dazu, dass sie im Jahre 2000 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Bis heute werden ständig neue archäologische Funde gemacht.

Die Kathedrale
Die Kathedrale in Tarragona markiert stilistisch den Übergang von Romantik zu Gotik. Begonnen wurden die Bauten im Jahre 1278, die Westfassade ist jedoch noch immer nicht vollendet. Das zentrale Portal ist reichlich verziert mit ornamentalem Skulpturenschmuck. Die Apsis ist der älteste Teil des Monuments.
Das eher schlichte und ruhig wirkende Innere weist wunderschöne Fenstermalereien auf, sowie ein Chorgestühl (1478-1493) und eine Orgel aus dem Jahre 1563. Die Capilla Mayor verfügt über Statuen der Hl. Jungfrau Maria und des Hl. Paulus, ein Kunstwerk von Pere Joan aus dem Jahre 1430.
Rechts neben dem Altar liegt der Erzbischof Juan de Aragón begraben. Einen prächtigen frühgotischen Marienaltar kann der Besucher in der Capilla de los Sastres (14. Jh.) bewundern. Von den vielen übrigen Seitenkapellen sei an dieser Stelle noch die Capilla de Montserrat angeführt, die ein Retablo von Lluis Borrasà beherbergt.
Das angrenzende Claustro (13. Jh.) gehört zu den schönsten des Landes. Hier findet man einen „Mihrâb“, eine arabische Gebetsnische, die noch von der ehemaligen Moschee, die hier einst stand, abstammt.
Überdies beherbergt die Kathedrale das Diözesanmuseum, das Wandteppiche aus dem 15.-17. Jahrhunderts und Gemälde aus Mittelalter und Antike enthält. Eine Kollektion von Grabsteinen und Skulpturen befindet sich in der Kirche Santa Tecla (12. Jh.) nahe des Museums.
Nicht weit von der Kathedrale entfernt steht der Erzbischofspalast (19. Jh.) mit dem Torre del Arzobispo, der auf dem höchsten Punkt der Stadt errichtet wurde und ein wunderbare Aussichtpunkt ist.
Der Passeig Arqueólogic, der laut vergangener Schriften auf die Scipionen (3. Jh. v. Chr.) zurückgeht, liegt entlang der Zyklopenmauer, die nahezu die gesamte Stadt Tarragonas umschließen. Der untere Teil ist noch von der iberischen Stadtmauer erhalten, darüber beginnt römische Mauer aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Als nächste Schicht folgt die Mauer aus der Zeit des Augustus. Die Tore der Stadtmauer sind insgesamt der älteste Teil des Monumentes.
Das Museo Arqueológico stellt römische Exponate aus, wie Mosaike und ein besonders sehenswertes Medusenhaupt, sowie eine Bacchusszene. Neben tarragonesischen Architekturstücken, kann hier außerdem eine 23 cm große Elfenbeinpuppe (4. Jh. n.Chr.) besichtigt werden.
Nahe dem Museum befindet sich das römische Prätorium (1. Jh. v. Chr.), das hier eine quadratische Form hatte und im Mittelalter heftigen Veränderungen unterworfen war. Es wird auch Torreón de Pilatos genannt, da an diesem Ort Pontius Pilatus geboren worden sein soll.
Im Turm des Prätorenpalastes befindet sich das städtische Museum. Weitere interessante Museen sind etwa das Museo de Arte Moderno in der Carrer Santa Ana oder das Museo Castellarnau.
Dies liegt in der Carrer Ferrers und stammt aus dem 15. Jahrhundert. Das Haus das ehemals im Besitz der Familie Castellarnau war, ist heute ein Museum, das Objekte der Stadt Tarragona ausstellt, wie etwa Keramiken oder alte Münzen. Das Museo Paleocristiano stellt Särge aus verschiedenen Materialien, Urnen und Schmucke aus.
Das Amphitheater aus der Zeit des Augustus liegt direkt an der Küste im Parque del Milagro. Seine Ruinen wurden im Jahre 1952 geborgen. Hier starben der Bischof Fructuoso und die zwei Diakone Augurio und Eulogio im Jahre 259 n. Chr. den Märtyrertod.
Die Hauptstraße La Rambla Nova führt Richtung Meer, endet jedoch in einer Sackgasse an einer ca. 30 m hohen natürlichen Steilwand. Ein Geländer führt den Fußgänger hinab. Das Berühren der Geländerpfosten (kat. Tocar ferro porta sort) bringt der Legende nach Glück. Westlich von hier gelangt man zum römischen Forum mit vielen typisch römischen Gebäuden. Noch weiter westlich liegt deine frühchristliche Nekropolis (3.-6. Jh.).
An der Rambla Vella liegen die barocken Kirchen San Augustín und San Francisco. Östlich liegt die Plaza de la Fuente. Hier lag ursprünglich der römische Zirkus, der jedoch nur noch in Fundamenten erhalten ist. Hier liegt auch das Rathaus.
Die Universität Rovira i Virgili spaltete sich im Jahre 1991 von der Universitat de Barcelona ab und ist seither eine eigenständige Universität mit Fakultäten in Tarragona, Reus und Vila-Seca.


Feste und Veranstaltungen in Tarragona

Das Jahr beginnt in Tarragona mit dem Fest der "Tres Tombs", einer Ausstellung von Pferden und Kutschen. Wie im Rest von Spanien, so zelebriert man auch hier in Tarragona den Karneval und die Semana Santa mit feierlichen Prozessionen und viel Tanz und Folklore.
Darüber hinaus feiert man noch die Heiligen, wie Sant Jordi (23. April) und Sant Joan (24. Juni), Sant Pere (29. Juli) und Mare de Deú del Carme (16. Juli). In der ersten Juliwoche findet in Tarragona ein internationaler Feuerwerkswettbewerb statt, der jährlich mehrere zehntausend Zuschauer anlockt.
Weitere Feste im Sommer sind Sant Magi (19. August). Am 23. September läutet die Fiesta de Santa Tecla schließlich den Herbst ein. Dieses größte Stadtfest bietet Besuchern "Diables", mittelalterliche "Bestiari Medieval", die "Nans i Gegants", sowie die "Colles Castelleres", die "Balls de Bastons" und schließlich die "Dames i Vells".

Gastronomie in Tarragona

Die Hafen-und Fischereistadt Tarragona bietet eine reichhaltige Küche, die vor allem für Meeresfrüchte. Ein beliebtes ist daher der so genannte "Romesco" (Mandeln, Haselnüsse, Paprika, Öl).
Zu einem schönen Mahl empfiehlt sich ein guter Wein, wofür Tarragona ebenfalls bekannt ist. Tarragona führt einen Handel mit dem Wein aus dem Campo de Tarragona, der Campiña von Reus und dem Priorato. Der Wein wird in „bodegas“ gelagert.
Der Weisswein aus Tarragona ist besonders fruchtig und leicht. Außerdem Ull de Llebre-Traube leicht bekömmliche Weine mit einem niedrig bis mittleren Säuregehalt, die somit leicht bekömmlich sind.

Marion Meerpohl