Klima im Wandel

„Que calor!“, ruft der Spanier und entledigt sich seines Pullis. „Was für eine Wärme!“ Es hat gefühlte 30 Grad, aus dem Nachbargarten zieht ein unwiderstehlicher Grillgeruch herüber und Urlauber radeln mit nacktem Bein die feierlich geschmückten Straßen entlang…Sommerfest?
Nein, über den Straßen baumelt der Weihnachtsschmuck – es ist Mitte Januar und auch in Spanien Winterzeit! Nur eine Woche später: Das ehemals nackte Bein ist bestrumpft und liegt gemütlich vor dem Kamin, der Spanier zieht sich Schal und Wollmütze tiefer ins Gesicht, die Wetterfrösche melden Schneeregen!
Spielt das Wetter endgültig verrückt? Oder reagieren wir in Zeiten von Klimamodellen und -prognosen einfach sensibler auf Wetterumschwünge?
Fakt ist, das Klima rückt zum Menschheitsproblem Nummer ein auf. Lange genug waren Umweltschützer eine „grüne Minderheit“, Begriffe wie CO2—Ausstoß und Treibhauseffekt ein Lückenfüller in den Abendnachrichten und Wachstumsraten in der Wirtschaft wichtiger als umweltverträgliche Maßnahmen. Nun haben Wissenschaftler in Chicago, darunter auch Stephen Hawking, den Zeiger auf fünf vor Zwölf vorgestellt…die Uhr tickt!
Seitdem Autos, Heizungen, Fabriken und Kraftwerke Kohlendioxid in die Luft blasen, ist der Anteil der bodennahen Luft um durchschnittlich 0,8 Grad gestiegen. Der CO2-Gasanteil in der Atmosphäre erhöhte sich in diesem – vom UN-Klimaausschuss IPCC untersuchten – Zeitraum von 150 Jahren um ein Drittel.
Die Experten des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen sind sich weitgehend einig darüber, dass die globale Erwärmung zu 90 Prozent auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist.
Das Jahr 2007 war  das wärmste seit Beginn der Temperaturmessungen. Auch die Prognosen des IPCC-Berichts für die kommenden 100 Jahre sehen düster aus: Die Temperaturen werden weiter steigen, der Meeresspiegel tut dasselbe – im schlimmsten Fall um 59 Zentimeter.
In den nördlichen Breiten nimmt der Niederschlag zu, der Süden hat dagegen mit Wassermangel und Waldbränden zu kämpfen. Unser Sommer-Urlaubsland Spanien wird in der Folge zu einer Dürrelandschaft verkümmern, das Meer holt sich die Strände zurück.
Selbst bei einem sofortigen Umdenken mit Einstellung aller Emissionen lassen sich höhere Temperaturen und ein Ansteigen des Meeresspiegels in den nächsten Jahrhunderten nicht vermeiden, so der IPCC-Bericht.
Trotzdem muss sich jeder seiner Verantwortung stellen und am besten noch heute damit beginnen! Gönnen wir nicht auch unseren Nachkommen einen schönen Sommer-Urlaub am Mittelmeer?

Marion Schmitt


Kernenergie – Atomkraft in Spanien

Spaniens Kraftwerke

Derzeit sind in Spanien noch acht Reaktoren in sechs Anlagen in Betrieb, dabei handelt es sich überwiegend um sogenannte Druckwasserreaktoren, die bereits seit den 1980er Jahren laufen. 

Der Block eins des Reaktors in Almaraz ist seit Mai 1981 in Betrieb, 1983 ging Block zwei ans Netz.

Block eins
des Kraftwerks in Ascó ging 1983 ans Netz, Block zwei folgte 1985

Den Siedewasserreaktor in Cofrentes gibt es bereits seit 1984.
In Santa Maria de Garoña steht der mit Abstand der älteste noch laufende Reaktor, er ist schon  seit 1971 in Betrieb und sollte ursprünglich im Jahr 2013 endgültig abgeschaltet werden.

Block eins
des Reaktors in Trillo wurde 1988 in Betrieb genommen. Die Inbetriebnahme des zweiten Reaktors wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

In Vandellos ist nur noch einer von ursprünglich zwei Reaktoren in Betrieb. Block zwei wurde 1987 in Betrieb genommen. Block eins war bereits 1972 ans Netz gegangen und 1990 stillgelegt worden.

Die acht Reaktoren produzierten im Jahr 2008 insgesamt 17 Prozent des spanischen Stroms.


Störfälle in spanischen Reaktoren

Störfälle in spanischen Reaktoren sind keine Seltenheit. Alleine im Jahr 2009 waren alle Reaktoren zusammen 572 Tage nicht in Betrieb, weil sie nach Störungen vom Netz gehen mussten.

In den ersten Betriebsjahren seit 1971 verzeichnete der  Siedewasserreaktor, übrigens ein schwesterreaktor des havarierten Kernkarftwerks Fukushima, in Santa María de Garoña regelmäßig bedeutende Überschreitungen der Abgabe-Grenzwerte. Er ist auch heute noch in Betrieb. 

1998 – Vandellòs 1:
Durch ein Feuer im Kernkraftwerk Vandellòs wurden die Sicherheitssysteme stark in Mitleidenschaft gezogen. Es kam aber zu keinem schwereren Unglück, der Vorfall wurde als ernster Störfall eingestuft. Vandellòs 1 wurde danach durch die spanischen Regierung definitiv stillgelegt.

2004 – Vandellòs 2: Die Aufsichtsbehörde CSN stellte fest, dass ihr der Betreiber dieses Werks während Jahren eine Leitungskorrosion verschwiegen hatte, welche die Funktionsfähigkeit der Komponenten-Kühlung hätte in Frage stellen können. Hätten die beiden Leitungen gleichzeitig versagt (und nicht nur eine, wie geschehen), wäre der Reaktor kaum noch herunterkühlbar gewesen. Welche Folgen ein Ausfall der Kühlung haben kann wird gerade an dem Atomkraftwerk in Fukushima in Japan deutlich.

2007 – Vandellòs 2: Nachdem die acht spanischen KKW-Blöcke in nur drei aufeinander folgenden Monaten 14 Störfälle verzeichnet hatten, ereignete sich im Dezember in Vandellos ein weiterer Vorfall: Bei einem Test am laufenden Reaktor waren unvorgesehen einige Abschaltstäbe in den Kern eingefallen. Das habe, schreibt die Aufsichtsbehörde CSN, zu einem Druckabfall im Reaktor-Kreislauf geführt, und damit zur Auslösung der Notkühlung. Der danach erfolgende Druckaufbau führte auch zum Ansprechen von Reaktor-Sicherheitsventilen und Ausströmen von leicht kontaminiertem Kühlwasser in den Containment-Sumpf. Es wurde ein interner Notfall-Voralarm ausgelöst.

2008 – April Ascó:
Entdeckung von Radioaktivität aus dem Brennelementegebäude auf dem Werksareal. Die Dosen lagen zwar unterhalb der Grenzwerte, dennoch stufte die Behörde CSN den Vorfall mit INES 2 ein: Der Betreiber hatte Monate lang deutliche Indizien (Auslösung von Aktivitäts-Alarmen) missgedeutet und zuletzt der CSN verharmlosende Daten geliefert.

2008 – Santa María de Garoña: Am 15. Juli und am 19. August wurden die beiden Batterie-Systeme des Werks getestet. Deren ermittelte Kapazität war gemäß Behörde CSN ungenügend. Diese Gleichstrom-Systeme erfüllen bei Störfällen diverse Sicherheits-Funktionen, so etwa als Starthilfe für die Notstrom-Diesel oder Anzeige des Reaktor-Zustandes. Problematisch an diesem Ereignis ist vor allem auch, dass nach Feststellung der Fehlfunktion des ersten Systems am 15. Juli das zweite System vom Betreiber nicht sofort, sondern erst am 19. August getestet wurde.

2008 – Ascó: In der Doppelblock-Anlage wurden zwischen 5. September und 6. November 2008 acht INES-Störfälle registriert, davon fünf in Block II. 
                                                                                   (Quelle: wikipedia)

Das Risiko eines schweren Erdbebens in Spanien ist natürlich weit geringer als in Japan. Die stärksten Erdstöße der jüngeren Zeit erreichten im Jahr 2007 eine Stärke von 5,2 auf der Richterskala. Sie richteten keine Schäden an den Anlagen an. Die Kernkraftwerke sind nach einem Bericht des Rats für Atomsicherheit, so ausgelegt, dass sie dem stärksten, in dem Gebiet zu erwartenden Beben standhalten müssen. Hinzu kommt, dass sich nach Angaben des Rats für Atomsicherheit keine der Anlagen in den erdbebengefährdetsten Gebieten Spaniens befindet.
Umweltschützer sehen das allerdings anders. Besonders das Kraftwerk Cofrentes bei Valencia liegt nach Angaben von Carlos Bravo von Greenpeace, auf einer seismischen Störzone, die von Valencia bis Tarragona reicht. Somit sei auch die Anlage Ascó bei Tarragona betroffen. Das Kraftwerkist Luftlinie nur etwas mehr als 200 Kilometer von Mallorca entfernt, bei Cofrentes sind es 320 Kilometer.
Die Liste der relevaten Störfälle, besonders der Vorfall in Vandellòs im Jahr 2004, zeigt aber auch deutlich, dass es nicht unbedingt ein Erdbeben der Stärke 8,9 braucht um aus einem Atomreaktor ein massives Sicherheitsrisiko werden zu lassen. Schlampige Wartung und veraltete Technik tut ihr übriges.

Nach dem Atomunglück in Japan ist eine erneute politische Debatte um den Atomausstieg unvermeidlich. Die Menschen in Deutschland zeigten schon am Tag der Katastrophe deutlich, in welche Richtung die Diskussion laufen soll:
In Baden-Württemberg trafen sich 60.000 Atomkraftgegner zu einer 45 Kilometer langen Menschenkette vom Sitz der Landesregierung in Stuttgart bis zum Atomkraftwerk Neckarwestheim. Sie forderten den sofortigen Ausstieg aus der Kernenergie.
Quelle: wikipedia.de

Klima im Wandel – Mittelmeer in Gefahr

Endlose Sandstrände, glasklares Wasser, eine beeindruckende Natur – Die Gebiete rund um das Mittelmeer locken jedes Jahr Millionen von Touristen an die Küsten. Doch das Urlaubsparadies ist immer stärker gefährdet.
Schwere Schäden, die vor allem durch den starken Bau an den Küsten entstehen, wurden auch am Schwarzen Meer, Baltikum und am Nordost-Atlantik beobachtet. Forscher und Umweltschützer führen die Schäden auf die extremen Besiedlungen und den Massentourismus zurück.
Besonders Valencia liegt mit rund 900 Wohnungen pro Kilometer Küste an der Spitze der Gebiete mit den höchsten Bebauungsdichten in Spanien. Die Folge werden nicht nur weitere Schäden durch die extreme Besiedlung sein, auch der Klimawandel wird sich hier intensiver auswirken. In der Zukunft ist mit heftigen Unwettern und einer stärkeren Erhöhung des Wasserspiegels zu rechnen.
Die Überfischung im Meer führt zu indessen zu einem zunehmenden Rückgang der Artenvielfalt. Fischarten, wie der rote Thunfisch oder der Schwertfisch sind schon vom Aussterben bedroht.
Schuld daran ist auch die Zerstörung der Seegraswiesen, die für die Erholung der Fischbestände besonders wichtig sind. Durch ungereinigte Abwässer und Schleppnetze sind in den vergangenen 100 Jahren etwa 44.000 Hektar Seegraswiesen vernichtet wurden.
Um den stetigen Verfall des Meeres noch aufhalten zu können, sind den Umweltschützern nach nun unbedingt sofortige Maßnahmen einzuführen. Sehr effektiv wäre es z. B. weitere Meeresschutzgebiete einzurichten. Heutzutage steht nur 1% des Meers unter Schutz.
Um weitere gravierende Schäden zu verhindern, müssten Schutzgebiete auf Flächen von mindestens 40 % erhöht werden, damit sich die Ökosysteme samt Meeresbewohner wieder regenerieren könnten.

Wind und Wasser – Erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien hben 2010 rund 35 Prozent des Strombedarfs in Spanien gedeckt. Diese neue Rekordbilanz zog der Netzbetreiber Red Electronica de Espana, REE. Zugute kamen der Ausbeute allerdings ergiebige Regenfälle sowie starke Winde im vergangenen Jahr.
So konnten allein mit Windkraft 16 Prozent des Strombedarfs gedeckt werden. Wasserkraft kam auf 14 Prozent, Solar auf drei Prozent. Zum Vergleich: Kernkraft trug mit 21 Prozent zur Deckung bei.
Allerdings gab FEE Präsident Luis Atienza zu bedenken, dass gerade Windkraft für den Netzberreiber nur schwer zu managen ist: "Windkraft lässt sich halt nicht programmieren". So sei an einem Sturmtag , wie dem 9. November 2010 der Strombedarf plötzlich zu 43 Prozent allein von Windkraft gedeckt worden.
Insgesamt gesehen ist Spanien mit einem Anteil von 35 Prozent am Strombedarf, der von Erneuerbaren Energien gedeckt wird, auf gutem Weg, das Ziel von 40 Prozent bis 2020 zu erreichen.
Zumal der Anteil des Solarstroms in den kommenden Jahren aufgrund hoher Investitionen in solarthermische Kraftwerke steigen wird. 2010 hat zudem endgültig mit der Mär Schluss gemacht, dass Spanien ein Strom-Importland sei.
Bereits seit Jahren wird Elektrizität nach Marokko, Portugal und Andorra geliefert. Im vergangenen Jahr stand nun erstmals auch Frankreich auf der Kundenliste.