Das Bild vom Wohlstand in Spanien ist trügerisch, denn das Land lebt zunehmend unter Schulden. Zum Schuljahresanfang werden Kredite für den Kauf der Schulbücher und -uniformen aufgenommen, vieles läßt sich in großen Kaufhäusern problemlos in Raten bezahlen. Viele Familien finanzieren ihr gesamtes Leben auf diese Weise: Wohnung, Auto und die Stereoanlage gehören eigentlich der Bank.
Internationale Experten betrachten die Situation mit großer Sorge. Allein für Immobilien sind die Einwohner Spaniens mit 700 Milliarden Euro verschuldet. Die Verschuldung der Familien übersteigt mittlerweile 75 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes. Während die Situation auf Mallorca dank vieler internationaler Investoren entspannt ist, hat sich auf dem Festland aufgrund der intensiven Spekulationen mit Wohnungen eine regelrechte Immobilienblase gebildet. Zwar steigt das Angebot an Immobilien nach wie vor: So wurden im vergangenen Jahr 740.000 Wohnungen in Spanien gebaut. Andererseits ist aber die Nachfrage ungebremst, und so steigen auch die Preise weiterhin, denn in Spanien wird traditionell eher gekauft als gemietet. Rechnet man zehn Jahre zurück, so haben sich die Wohnungspreise inzwischen mehr als verdoppelt. Gut für den, der bereits eine Immobilie besitzt, schlecht vor allem für junge Leute. Problematisch ist vor allem, dass die Löhne in Spaniensehr niedrig sind und dadurch der Traum vom eigenen Heim oft zerplatzt.