Spaniens Kraftwerke
Derzeit sind in Spanien noch acht Reaktoren in sechs Anlagen in Betrieb, dabei handelt es sich überwiegend um sogenannte Druckwasserreaktoren, die bereits seit den 1980er Jahren laufen.
Der Block eins des Reaktors in Almaraz ist seit Mai 1981 in Betrieb, 1983 ging Block zwei ans Netz.
Block eins des Kraftwerks in Ascó ging 1983 ans Netz, Block zwei folgte 1985
Den Siedewasserreaktor in Cofrentes gibt es bereits seit 1984.
In Santa Maria de Garoña steht der mit Abstand der älteste noch laufende Reaktor, er ist schon seit 1971 in Betrieb und sollte ursprünglich im Jahr 2013 endgültig abgeschaltet werden.
Block eins des Reaktors in Trillo wurde 1988 in Betrieb genommen. Die Inbetriebnahme des zweiten Reaktors wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.
In Vandellos ist nur noch einer von ursprünglich zwei Reaktoren in Betrieb. Block zwei wurde 1987 in Betrieb genommen. Block eins war bereits 1972 ans Netz gegangen und 1990 stillgelegt worden.
Die acht Reaktoren produzierten im Jahr 2008 insgesamt 17 Prozent des spanischen Stroms.
Störfälle in spanischen Reaktoren
Störfälle in spanischen Reaktoren sind keine Seltenheit. Alleine im Jahr 2009 waren alle Reaktoren zusammen 572 Tage nicht in Betrieb, weil sie nach Störungen vom Netz gehen mussten.
In den ersten Betriebsjahren seit 1971 verzeichnete der Siedewasserreaktor, übrigens ein schwesterreaktor des havarierten Kernkarftwerks Fukushima, in Santa María de Garoña regelmäßig bedeutende Überschreitungen der Abgabe-Grenzwerte. Er ist auch heute noch in Betrieb.
1998 - Vandellòs 1: Durch ein Feuer im Kernkraftwerk Vandellòs wurden die Sicherheitssysteme stark in Mitleidenschaft gezogen. Es kam aber zu keinem schwereren Unglück, der Vorfall wurde als ernster Störfall eingestuft. Vandellòs 1 wurde danach durch die spanischen Regierung definitiv stillgelegt.
2004 - Vandellòs 2: Die Aufsichtsbehörde CSN stellte fest, dass ihr der Betreiber dieses Werks während Jahren eine Leitungskorrosion verschwiegen hatte, welche die Funktionsfähigkeit der Komponenten-Kühlung hätte in Frage stellen können. Hätten die beiden Leitungen gleichzeitig versagt (und nicht nur eine, wie geschehen), wäre der Reaktor kaum noch herunterkühlbar gewesen. Welche Folgen ein Ausfall der Kühlung haben kann wird gerade an dem Atomkraftwerk in Fukushima in Japan deutlich.
2007 - Vandellòs 2: Nachdem die acht spanischen KKW-Blöcke in nur drei aufeinander folgenden Monaten 14 Störfälle verzeichnet hatten, ereignete sich im Dezember in Vandellos ein weiterer Vorfall: Bei einem Test am laufenden Reaktor waren unvorgesehen einige Abschaltstäbe in den Kern eingefallen. Das habe, schreibt die Aufsichtsbehörde CSN, zu einem Druckabfall im Reaktor-Kreislauf geführt, und damit zur Auslösung der Notkühlung. Der danach erfolgende Druckaufbau führte auch zum Ansprechen von Reaktor-Sicherheitsventilen und Ausströmen von leicht kontaminiertem Kühlwasser in den Containment-Sumpf. Es wurde ein interner Notfall-Voralarm ausgelöst.
2008 - April Ascó: Entdeckung von Radioaktivität aus dem Brennelementegebäude auf dem Werksareal. Die Dosen lagen zwar unterhalb der Grenzwerte, dennoch stufte die Behörde CSN den Vorfall mit INES 2 ein: Der Betreiber hatte Monate lang deutliche Indizien (Auslösung von Aktivitäts-Alarmen) missgedeutet und zuletzt der CSN verharmlosende Daten geliefert.
2008 - Santa María de Garoña: Am 15. Juli und am 19. August wurden die beiden Batterie-Systeme des Werks getestet. Deren ermittelte Kapazität war gemäß Behörde CSN ungenügend. Diese Gleichstrom-Systeme erfüllen bei Störfällen diverse Sicherheits-Funktionen, so etwa als Starthilfe für die Notstrom-Diesel oder Anzeige des Reaktor-Zustandes. Problematisch an diesem Ereignis ist vor allem auch, dass nach Feststellung der Fehlfunktion des ersten Systems am 15. Juli das zweite System vom Betreiber nicht sofort, sondern erst am 19. August getestet wurde.
2008 - Ascó: In der Doppelblock-Anlage wurden zwischen 5. September und 6. November 2008 acht INES-Störfälle registriert, davon fünf in Block II.
(Quelle: wikipedia)
Das Risiko eines schweren Erdbebens in Spanien ist natürlich weit geringer als in Japan. Die stärksten Erdstöße der jüngeren Zeit erreichten im Jahr 2007 eine Stärke von 5,2 auf der Richterskala. Sie richteten keine Schäden an den Anlagen an. Die Kernkraftwerke sind nach einem Bericht des Rats für Atomsicherheit, so ausgelegt, dass sie dem stärksten, in dem Gebiet zu erwartenden Beben standhalten müssen. Hinzu kommt, dass sich nach Angaben des Rats für Atomsicherheit keine der Anlagen in den erdbebengefährdetsten Gebieten Spaniens befindet.
Umweltschützer sehen das allerdings anders. Besonders das Kraftwerk Cofrentes bei Valencia liegt nach Angaben von Carlos Bravo von Greenpeace, auf einer seismischen Störzone, die von Valencia bis Tarragona reicht. Somit sei auch die Anlage Ascó bei Tarragona betroffen. Das Kraftwerkist Luftlinie nur etwas mehr als 200 Kilometer von Mallorca entfernt, bei Cofrentes sind es 320 Kilometer.
Die Liste der relevaten Störfälle, besonders der Vorfall in Vandellòs im Jahr 2004, zeigt aber auch deutlich, dass es nicht unbedingt ein Erdbeben der Stärke 8,9 braucht um aus einem Atomreaktor ein massives Sicherheitsrisiko werden zu lassen. Schlampige Wartung und veraltete Technik tut ihr übriges.
Nach dem Atomunglück in Japan ist eine erneute politische Debatte um den Atomausstieg unvermeidlich. Die Menschen in Deutschland zeigten schon am Tag der Katastrophe deutlich, in welche Richtung die Diskussion laufen soll:
In Baden-Württemberg trafen sich 60.000 Atomkraftgegner zu einer 45 Kilometer langen Menschenkette vom Sitz der Landesregierung in Stuttgart bis zum Atomkraftwerk Neckarwestheim. Sie forderten den sofortigen Ausstieg aus der Kernenergie.
Quelle: wikipedia.de