Der nächste Ort ist Padrón, dessen Name zurückgeht auf den Stein bzw. pedrón, an dem das Boot festgemacht wurde, das die sterblichen Überreste des Apostels Jakobus (Santiago) nach Galicien brachte. Hier liegt der Ursprung der Pilgerschaft nach Santiago da Compostela, das heute Hauptstadt der autonomen Verwaltungsregion Galicien ist.
Die Küstenstraße der Ria entlang, die zur Provinz A Coruna gehört, erreichen wir nun A Pobra do Caramiñal, den Balkon der Ría de Arousa. Zu erwähnen sind auf dieser Strecke Catoira, das am ersten Sonntag im August eine kuriose Wallfahrt veranstaltet, die aus der Zeit der Wikinger stammt.
Ebenfalls erwähnenswert sind die vielen goldfarbenen Strände mit Kiefernhainen als Hintergrund. Und ganz in der Nähe gelegen gibt es einen Naturpark: Die Dünen Dunas da Corrubeda, aus großen Sandflächen und -hügeln bestehend, die die höchste Düne im Norden der Halbinsel aufweisen.
Einen besonders schönen Blick auf dieses Dünensystem hat man vom Pico Curotiña aus, der einen weiteren Naturraum darstellt. Am Ende der Ría gleichen Namens und hinter dem entzückenden Dörfchen Porto da San liegt Noia, von dem man sagt, es sei eine der drei in Spanien von Tubal, dem Enkel von Noé (Noah), gegründeten Städte (die anderen sind Noega in Asturien und Noja in Kantabrien).
Sehenswert ist sein Friedhof mit mittelalterlichen Grabsteinen. Später kommt man nach Muros, harmonisch auf einer kleinen Anhöhe gelegen, das noch eine jener eindrucksvollen Christusfiguren bewahrt, die hin und wieder als Schiffbruchsreste vom Meer angeschwemmt wurden.
Die Reise führt weiter zum Berg Monte 0 Pindo, gleich zu Beginn der sogenannten Punta das Cabras, wo der Fluss Xallas in Meeresnähe in einer überwältigenden Kaskade, der großartigsten Galiciens, in die Tiefe stürzt. Diese Gegend ist archäologisch von großer Bedeutung und übt eine magische Anziehungskraft aus, was angesichts ihrer seltsamen Steinformationen verständlich wird.
Hier verläuft die Küste steil und zerklüftet. Das Meer ist stürmisch. Aus diesem Grund kennt man diesen Küstenstreifen als Costa de la Muerte, als Todesküste, infolge der zahlreichen hier erlebten Schiffbrüche.
Wenn es dämmert und der Nebel alles einhüllt, ist schnell zu begreifen, warum das Kap Cabo Fisterra als das Ende der Welt bezeichnet wurde. Auch die Tatsache, dass es einmal eine Art Mekka für die Christen war, ebenso wie später San Andrés de Teixido und heutzutage immer noch Santiago.
Der Weg führt weiter nach Muxía (mit seinem schwebenden Stein), Camariñas (seiner Klöppelspitzen wegen berühmt), Gabe Vilán (zum Naturpark erklärt), Laxe und Malpica. Am Kap San Adrian liegen die Inseln Islas Sisargas, bekannt für ihre Schlangen-Legenden und als wichtige Zufluchtsstätte einer vielseitigen Meeresfauna.
Über Garballe, das ein Heilbad mit schwefelhaltigen Solquellen hat, erreicht man die Hauptstadt A Coruña mit ihren drei Stränden, einer herrlicher als der andere: Riazor, Orzán, San Amaro und Santa Cristina.
In der Nähe liegt das Fischerdorf Sada und nur 24km entfernt Betanzos, das römische Brigantium, von dem viele behaupten, es sei von Breogán, dem sagenhaften Helden der Kelten, gegründet worden. Und in seinem Umkreis treffen wir erneut auf einen bedeutenden Naturraum: das sumpfige Schwemmland der "marismas" A Mariña. Von Betanzos aus gelangt man über Pantedeume und vorbei an dem ausgedehnten Strand von Cabanas nach Ferrol.
Hoch über der gleichnamigen Ría erhebt sich schützend eine für ihre volkstümliche Wallfahrt bekannte Kapelle, die den wundertätigen Christo del Chamorro, den Beschützer der Seefahrer, beherbergt.
In unmittelbarer Nähe befinden sich die Lagune und Sandflächen von Valdoviño, eine herrliche Landschaft mit Dünen und Wasservögeln. An dieser Stelle beginnen die Rías Altas, mit erheblich kälterem Wasser als das der Rías Bajas, jedoch herrlichen, weitläufigen Stränden. Über eine halbversteckt in den Bergen verlaufende Strasse erreicht man Cedeira, einen wichtiger Fischerhafen und gleichzeitig beliebtes Ferienziel für Sommerurlauber.
Kaum 12km entfernt (und über den ehemaligen Pilgerweg "camino dos romeiros" sogar nur 7 km) liegt San Andrés de Teixido. Zu diesem Ort musste früher jeder Galicier zumindest einmal im Leben gepilgert sein, wenn er nicht ins Fegefeuer kommen wollte.
Eine alte Redensart behauptete: "Wer zu Lebzeiten nicht in San Andrés war, kommt als Toter dorthin." Lange Zeit bildete diese Wallfahrt die bedeutendste in ganz Galicien, bis später der Jakobsweg nach Santiago entstand.
Heute noch kann man beidseitig am Wegesrand die sogenannten "amilladoiros" sehen, Grabhügel aus Steinen, die die Wallfahrer hier aufgetürmt hatten. Sie glaubten, diese würden am Tage des Jüngsten Gerichtes "sprechen" und enthüllen, wer tatsächlich das Versprechen, nach San Andrés zu pilgern, eingelöst hatte. In dieser Gegend wächst auch ein Heilkraut. Die Pflanze namoradoira soll als Zaubermittel dem Liebeskummer abhelfen.
Hier führt der Weg in die Sierra de Capelada und in reizvolle Naturräume: zum Strand von Ortigueira und zum Kap Estaca de Bares, wo sich Atlantik und Kantabrisches Meer vereinen.