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Der Vatikan und die Frage nach Präservativen




Ein Jahr nach seiner Wahl hat Papst Benedikt XVI. eine Studie in Auftrag gegeben, die den Gebrauch von Kondomen bei AIDS-Kranken bzw. HIV-Infizierten untersuchen soll. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass das Ergebnis der Studie die offizielle Billigung der Präservative in diesen Fällen zur Folge hat. Dies könnte ein wichtiger und entscheidender Schritt bei der Aids-Bekämpfung sein. Der Kirchenstaat arbeite an dem entsprechenden Dokument, das demnächst veröffentlicht werden soll, sagte der vatikanische "Gesundheitsminister", der mexikanische Kardinal Javier Lozano Baragàn in einem Interview der römischen Zeitung "La Repubblica".

 

Bisher hatte die katholische Kirche den Gebrauch von Kondomen für Aids-Kranke oder HIV-Infizierte auch in der Ehe strikt abgelehnt. Wie sein Vorgänger Papst Johannes Paul II. hatte auch Papst Benedikt XVI. zuvor den zunehmenden Gebrauch von Kondomen in Afrika verurteilt. Wie er selbst bei einem Treffen mit afrikanischen Bischöfen erklärte, gebe es leider eine "Mentalität der Verhütungsmittel" auf dem Kontinent.

 

 


Doch vor allem dort ist die Entscheidung Benedikts XVI. von größter Wichtigkeit, denn die Immunschwächekrankheit ist global betrachtet vor allem ein afrikanisches Problem. Mehr als Zweidrittel aller HIV-infizierten Menschen (25,8 % nach Angaben von UNAIDS/WHO) und Dreiviertel aller Todesfälle finden sich in Afrika. Insgesamt sind an dem Virus seit 1981 mehr als 25 Mio. Menschen gestorben. In diesem Jahr erkannte man den Zusammenhang zwischen dem HI-Virus und der AIDS-Erkrankung. In diesem Zeitraum ist klar geworden, dass die Krankheit nicht nur ein gesundheitliches Problem ist, sondern es muss auch inzwischen als ein Problem angesehen werden, dass die ganze Menschheit betrifft. In armen Ländern wie den afrikanischen ist es zudem eine wirtschaftliche Belastung, die sozialen und ökonomischen Folgen der Epidemie machen viele Entwicklungsanstrengungen zunichte.

 

Wie Agnell Rickenmann, Generalsekretär der Schweizer Bischofskonferenz, erklärte, könnte es nun zu einer positiven Wende in der Einstellung der Kirche gegenüber dem Gebrauch von Kondomen kommen. Das Verhütungsmittel sei bereits jetzt gebilligt, nun aber soll es auch offiziell genehmigt werden. Damit reagiert der Papst auf das vehemente Bitten von Experten und Gläubigen, angesichts der Aids-Gefahr den Gebrauch von Präservativen in Afrika zuzulassen. Nach Rickenmanns Meinung gebe es derzeit einen Moment der Reflexion im Vatikan und man werfe einen differenzierteren Blick auf solch heikle Themen.

 

Die Billigung der Präservative wäre vor allem bei Ehepaaren wichtig, bei denen einer der Partner am tödlichen HI-Virus erkrankt ist, da nur so innerhalb einer vollständigen Partnerschaft der Lebensgefährte/die Lebensgefährtin vor einer Ansteckung bewahrt werden kann. Dennoch bleibt die Grundaussage der Kirche weiterhin, dass sexuelle Enthaltsamkeit und Treue die beste und einzige Lösung zur Bekämpfung des Problems sein können.

 

 

28.04. 2006, Anja Köder

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