Doch vor allem dort ist die Entscheidung Benedikts XVI. von größter Wichtigkeit, denn die Immunschwächekrankheit ist global betrachtet vor allem ein afrikanisches Problem. Mehr als Zweidrittel aller HIV-infizierten Menschen (25,8 % nach Angaben von UNAIDS/WHO) und Dreiviertel aller Todesfälle finden sich in Afrika. Insgesamt sind an dem Virus seit 1981 mehr als 25 Mio. Menschen gestorben. In diesem Jahr erkannte man den Zusammenhang zwischen dem HI-Virus und der AIDS-Erkrankung. In diesem Zeitraum ist klar geworden, dass die Krankheit nicht nur ein gesundheitliches Problem ist, sondern es muss auch inzwischen als ein Problem angesehen werden, dass die ganze Menschheit betrifft. In armen Ländern wie den afrikanischen ist es zudem eine wirtschaftliche Belastung, die sozialen und ökonomischen Folgen der Epidemie machen viele Entwicklungsanstrengungen zunichte.
Wie Agnell Rickenmann, Generalsekretär der Schweizer Bischofskonferenz, erklärte, könnte es nun zu einer positiven Wende in der Einstellung der Kirche gegenüber dem Gebrauch von Kondomen kommen. Das Verhütungsmittel sei bereits jetzt gebilligt, nun aber soll es auch offiziell genehmigt werden. Damit reagiert der Papst auf das vehemente Bitten von Experten und Gläubigen, angesichts der Aids-Gefahr den Gebrauch von Präservativen in Afrika zuzulassen. Nach Rickenmanns Meinung gebe es derzeit einen Moment der Reflexion im Vatikan und man werfe einen differenzierteren Blick auf solch heikle Themen.
Die Billigung der Präservative wäre vor allem bei Ehepaaren wichtig, bei denen einer der Partner am tödlichen HI-Virus erkrankt ist, da nur so innerhalb einer vollständigen Partnerschaft der Lebensgefährte/die Lebensgefährtin vor einer Ansteckung bewahrt werden kann. Dennoch bleibt die Grundaussage der Kirche weiterhin, dass sexuelle Enthaltsamkeit und Treue die beste und einzige Lösung zur Bekämpfung des Problems sein können.
28.04. 2006, Anja Köder